Walhalla’s Reach
von on August 6, 2020 in Blog Staffel

„Attention, Carrier jump-sequence initiated“

Wir standen am Punkt ohne Wiederkehr. Wieder einmal. Aber diesmal hatte es eine andere Bedeutung, als damals, 3302.

Vier jahre später standen wir mit unseren SRV’s an den Überbleibseln einer großartigen Expedition, die hier ihr programmiertes und freiwiliges Ende fand, am „Anaconda Graveyard“ in HD 76133, genauer gesagt, an einem Punkt, den sie „ultimate destination“ nannten.
Welche Ironie… Denn mit dem, was wir vorhatten, raubten wir dem Ort seine Endgültigkeit, würden die Grenzen des Ereichbaren verlegen, höher steigen als jemals jemand zuvor an dieser Stelle, über das Elysium hinaus, höher zu den Sternen, näher an die wahre ultimate destination.

War es ein Zufall oder ein Omen, dass unser Träger den Namen „Walhalla“ trug?

Den Namen trug in einer lange vergangenen irdischen Mythologie jene Halle, in die gefallene Krieger einziehen durften, wenn sie ehrenvoll am Schlachtfeld starben.
Auch die CMDR, die hier am Anaconda Graveyard gefallen waren, taten das sicher ehrenhaft und haben sich zweifellos ihren Platz in Walhalla verdient.

Aus ihrem Grab wurde eine Legende, eine Gedenkstätte mit Beigeschmack, den niemand konnte von dort zurückkehren. Zu groß war die Entfernung beim Neutronenstern der in den Cancri Cluster führte, der den passenden Titel „Decision Point“ trug. Eine Aufladung des FSAs brachte den Reisenden zwar über den Abgrund, aber da es auf der anderen Seite keinen equivalenten Neutronenstern gab, konnte man nicht mehr zurückspringen.
Am Punkt der Entscheidung wurden aus Kommandanten Helden. und am Anaconda Grab wurden aus Helden Legenden.

„Attention, Carrier lockdown in 5 minutes“

Ich war zu lange am Graveyard. Dank der herausragenden Technologie des Jahres 3306 war der Decision Point keine Einbahnstrasse mehr. Mit einem Carrier wurden Systeme erreichbar, die bisher niemand erreichen konnte, und da der Einfluß-Kram in unserem Heimatsystem sowieso gerade sehr routiniert ablief, entschloß sich meine Staffel, einen kleinen Ausflug zum Graveyard zu machen. Mit einem Träger, Exploration- und Miningschiffen und allem drum und dran. Die Walhalla wurde bis unter die Kante mit Tritium angefüllt, damit uns die galaxieweite Tritium-knappheit nichts anhaben konnte.
Die Reise und der Aufenthalt im Cluster verliefen unspektulär mit schönen Einblicken in den Cancri-Cluster, der den Beinamen „Elysium“ trägt, die Insel der Seeligen. Warum auch immer, eigentlich sah es hier genau so aus, wie überall anders auch. Wir fanden BIO-signs, den einen oder anderen Hotspot und schließlich erreichten wir das höchste System des Clusters, dort musste wieder Jumponium eingefüllt werden, um den Sprung zum Graveyard zu schaffen.
ich flog voraus, um die Gegend zu scouten, und um etwaige probleme für unsere jüngeren Teilnehmer auszumachen. also hing ich am graveyard rum und wartet auf die Ankunft meiner Kameraden, und die Wartezeit verbrachte ich damit, in der Galaxy Map zu blättern und die nähere Umgebung zu durchforsten.
Ich konnte mir vorstellen, dass die Mitglieder der Expedition im jahre 3302 hier genau dasselbe machten, in der Hoffnung, einen anderen Weg zurück in die Bubble zu finden und vielleicht waren sie genau so überrascht wie ich, als sie zufällig einen leuchtenden Punkt auf der Galaxy Map fanden, neben dem „HD 75406“ stand. Wie groß musste die Enttäuschung gewesen sein als sie erkannten, dass die kurze Hoffnung, die sie verspürten, eine Trügerische war, denn die Entfernungsangabe daneben zeigte 349.14ly an. Ausser Megaschiffen konnte damals kein Schiff diese Entfernung überbrücken, also mussten sie sich eingestehen, ihre ultimate destination erreicht zu haben.

Wir aber hatten unser Megaschiff dabei, also kontaktierte ich den Reiseleiter und den Carrier-owner und wir besprachen und berechneten, ob unsere Tritium-vorräte auch für den Rückweg noch reichen würden. bald schon wich die Freude des Ausflugs der Aufregung einer Expedition, den dazu wurde unser Ausflug nun. Eine Expedition. Für viele unserer jüngsten Staffelmitglieder eine völlig neue, ungewohnte Erfahrung, aber gemeinsam mit Distant Worlds 2 – Veteranen wurde das weitere Vorgehen erklärt und der Zeitplan besprochen.

Und dann hab ich wieder in die Galaxy Map geschaut und hab noch ein System gefunden.

und dann noch eins.

Und das letzte lag fast senkrecht über dem vorigen und mittels Lateration versuchten wir herauszufinden, wie weit die Entfernung vom zweiten zum dritten entdeckten System sei und wir schätzen auf knapp 500ly, das heisst, mit viel Glück konnte die Walhalla auch dieses hohe System erreichen aber wir würden es erst erfahren, wenn wir am zweiten ankamen.
Wir hatten nicht vor, da oben einen Carrierfriedhof aufzumachen, also wurde wieder berechnet, wieviele Sprünge wir für hin- und Rückflug benötigen und wieviel Tritium dafür vorhanden sein muss. Die Berechnung zeigte zwar einen beruhigenden Tritiumvorrat aber wir entschlossen uns zur sicherheit, eine Staffel-mining – Einheit im Tritiumhotspot abzuhalten. In zwei Stunden hatten wir schließlich genug Tritium für einen weiteren Sprung erarbeitet. Es konnte losgehen.

„Attention, counting down. 10, …“

Also legten wir die Route fest,

„5“

bestimmten den Zeitpunkt für den Start,

„4“
teilten die Staffelmitglieder in Scan- und mapping-Teams ein

„3“
beschworen Disziplin und Teamwork

„2“
hofften auf das Glück des Tüchtigen

„1“
hielten die Luft an und die Walhalla sprang.

HD 76037

Es ist schon ein besonderes Gefühl, in ein System zu springen und nicht zu wissen, was einen da erwartet. Vielleicht nur eine Sonne, die einsam vor sich hin strahlt, vielleicht erdähnliche Planeten, Wasserwelten, schwarze Löcher, vielleicht Raxxla oder vielleicht auch nur ein Haufen Eisplaneten und Steinhaufen. Wenn du mit deinem Explorer-Schiff in so ein System springst, dann offenbart sich zumindest der grundlegende Charakter des Systems sofort, springst du aber mit dem Carrier unter Deck in das System, dann ist das anders. Das Erste, was du siehst, ist der Systemüberblick im Navigationspanel und erst wenn du hochfährst, erkennst du, wo du bist.
Und die Anzeige im Navigationspanel verriet erstmal gar nichts, ausser, dass das System tatsächlich bisher unentdeckt war, was alleine schon ein Riesenglück war, denn schließlich sollte diese Expedition hier enden, und da wäre natürlich ein tolles System, in dem es viel zu entdecken gibt, ein angemessener Schlussakkord.

Und wir wurden nicht enttäuscht.

Als sich die Lamellen der Landeplätze zurückfalteten und die Landeplattformen nach oben fuhren, begann das Scanteam seine Arbeit. Nach dem ersten Honk war klar, auch die Mapping-Teams würden Arbeit bekommen, denn es waren 16 Objekte zu mappen.
Der folgende Systemscan offentbarte zweierlei: Weder erdähnliche Planeten, noch Wasserwelten noch Ammoniakwelten befanden sich im System, das war das Eine, aber das andere war überraschend und unterhaltsam zugleich:
Keiner der Monde in diesem System war rund. Alle hatten sie Beulen, Verformungen oder waren an sich nicht rund.
Unweigerlich mussten wir wieder an das Omen des Namens unseres Carriers denken: ‚WALHALLA‘, denn jeder dieser Monde sah aus, als hätte Thor persönlich sie mit seinem Hammer bearbeitet, dazu gab es noch einen hochmetallischen Planeten mit gleißendem Ring, der rotglühend vor Magma schon von weitem sichtbar war, dort wurde wohl der Hammer selbst geschmiedet und dort schwenkte die Walhalla in die Umlaufbahn ein, und die Mappingteams begannen mit ihrer Arbeit.

HD 76037 lag knapp 600ly ÜBER der bisherigen Grenze der besuchbaren Systeme und die „Ultimate Destination“ beim Anaconda Grab schien weit entfernt und mit etwas Schwermut dachten wir an die gefallenen Piloten, die sich damals bestimmt einen Platz wie diesen ausgesucht hätten, um ihren Weg nach Walhalla anzutreten.

Es war einfach wunderschön hier.

Die Mapping-teams fanden schneebedeckte Hügel, die sich über Ebenen aus rotem Sand erhoben, Planeten, die aussahen, wie von einem Bildhauer aus Marmor geschaffen, einen purpuroten Gasriesen, der durch seine Wolkensysteme wirkte, als wäre er in Scheiben geschnitten und wieder zusammengesetzt worden und der obendrein auch noch von einem eiförmigen Mond umkreist wurde.

Das alles mag vielleicht, auf die ganze Galaxie gesehen, nichts Aussergwöhnliches sein, zugegeben, aber wir waren die ersten, die das sahen und der Weg dahin war keine gerade Linie und hat sich uns zufällig offenbahrt, ohne dass wir ihn gesucht hätten.

Und was wir noch fanden, aber das fanden wir auf der Reise und nicht erst in diesem, hoch über den bisher erreichbaren Sternen liegenden Sonnensystem, war etwas, dass eigentlich der Baustein unserer modernen Zivilisation sein sollte:
Es geht nicht darum, möglichst rasch viele Credits zu generieren, denn im Endeffekt gibt es irgendwann sowieso nichts mehr, was man sich damit kaufen kann. Es geht um Kameradschaft, das Einstehen des einen für den anderen. Das gemeinsame Erleben des Universums und den Zusammenhalt in schwierigen Situationen.
Nur gemeinsam konnten wir es bis hierher schaffen, dorthin, wo noch keine andere Staffel vor uns war.

Grenzen sind da, um verschoben zu werden denn sie existieren nur in den Köpfen, und als wir schließlich den Rückweg antraten, besuchten wir noch weitere Systeme und fanden Orte, die auf ihre Weise einzigartig waren.

Und wir fanden wieder neue Systeme in der Galaxy Map. Systeme, die selbst mit der Walhalla nicht erreichbar waren. Aber vielleicht muss sich ja auch für diese Systeme der richtige Weg erst offenbaren.

Die erneute Ankunft der Walhalla am Decision Point unterhalb des Cancri Clusters markierte das Ende des Ausflugs und der Expedition, ein Teil der Staffel nahm das bequeme Heimbring-Service der Walhallain Anspruch, um sich wieder um das Alltagsgeschäft in dieser Galaxis zu kümmern, ein anderer Teil wählte den oldfashioned Weg nach Hause, der aus honk, scan, map, repeat besteht.

Wenn ihr einen CMDR mit Staffel – ID ‚BLAU‘ trefft, dann sendet einfach ein ‚o7‘, so wie er es tun wird.

o7

PS: Es wurde viel darüber spekuliert, was wir gefunden haben, und es ist nicht RAXXLA. Vielleicht ist RAXXLA nicht wirklich ein Objekt, das man finden kann, sondern ein Geisteszustand oder ein Wissensstand, den man erreichen kann. Vielleicht auch dadurch, dass man die Dinge etwas entspannter sieht. Seien Sie also relaxxter. Dann wären die Buchstaben fast korrekt.

Wir sind nicht enttäuscht, dass wir RAXXLA nicht gefunden haben, denn das ist nicht das, was wir gesucht haben.

Diesmal nicht.

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